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Wie das Leben so spielt

2 Min. Lesezeit

Fünf Arten, sich vom Sommer zu verabschieden

Auf Kreta geht der Sommer nicht als Türen schlagende Diva, die gerade eben noch fulminant aufgetreten ist. Er geht leise. Das Blau des Himmels wird noch intensiver, auch wenn man dies ein paar Tage zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Die Schatten werden länger. Der Wind zieht sich zurück und tankt Kraft für den ersten Herbststurm. Abends ist es Zeit, die Strickjacke aus dem Schrank zu zerren, von der man gerade noch dachte, man habe sie wieder einmal umsonst eingepackt. Der Abschied naht. Aber wie ihn vollziehen?

1. Als ob

Tagsüber schwimmen wir im Meer. Das Wasser ist warm, die Sonne steht vielleicht nicht mehr ganz so hoch am Himmel. Der Strand hat sich geleert. Der Hochsitz des Lifeguards ist unbesetzt. Wir kraulen durch die Wellen und im Auftauchen wünschen wir uns, er bliebe, wenigstens dies eine Jahr: der Sommer. Aber vergeblich. Es ist Zeit, den Dingen ins Auge zu sehen. Ein letztes Mal dies, ein letztes Mal das. Scheiden tut weh.

2. Tou xronou: nächstes Jahr

Die kretische Standardantwort auf jedes von Abschiedsschmerz durchzogene Bedauern über das, wozu die Zeit einmal mehr nicht gereicht hat. Wir überspringen die Widrigkeiten. So wie es ein Morgen gibt, wird es einen neuen Sommer geben. Da hinten am Horizont, wo sich nachts schon das Sternbild des Orion aufbaut, können ihn die mit den sehr guten Augen bereits hinaufziehen sehen. Sie reichen uns Blindfischen die Hand und helfen uns, den Schmerz zu überspringen.

3. Aufatmen

Sonnenliegen und Schirme werden auf einen Pickup verladen. Ein letztes Mal wird der Strand gesäubert. Die Beachbar schließt. Einen Tag darauf die Souvenirläden, dann die Restaurants mit den großen Terrassen. Die Pizzeria, zwei Cafenion und der Kiosk halten die Stellung. Es wird früh dunkel. Es riecht nach Kaminfeuern. Wir spitzen die Ohren und was hören wir? Ein Ort atmet auf. Die Sommerglut weicht. Dito die Menschenmassen.

4. Weggehen

End of season: Nicht nur die Touristen verschwinden, sondern auch die Sommerjobs. Im Winter gibt es nichts zu tun außer schlafen und essen. Wer jung ist und kann, studiert oder sucht sich einen Job in Athen oder Thessaloniki. Die anderen bleiben zurück. Das Ende des Sommers trifft jeden.

5. Vorräte anlegen

Frederick heißt die Maus in dem Kinderbuch. Den ganzen Sommer über hat er scheinbar gefaulenzt, während die anderen Mäuse Vorräte für den Winter sammelten. Dabei war er durchaus nicht untätig. Seine Zeit kommt jetzt. Wenn er und seine Mäuse sich vor der Kälte in die Mauerritzen drücken, erzählt er vom Sommer. Vom Licht spricht er, dem Strahlen, der Wärme, fast können sie sie spüren auf ihrer Winterhaut. Die gesammelten Sonnenstrahlen bündeln und sich auf den Weg zum Schreibtisch machen: Das ist die Aufgabe von uns Schreibenden.

Sommer, du schlägst nicht mit den Türen, wenn du gehst. Aber eine Diva bist du trotzdem. Eine Diva will gebeten werden. Also: Komm bald zurück. Bitte.